Montag, 29. September 2014

× 004



In glänzender Hülle
eingeschweißt liegt es
verpackt. Nur noch langsam
pulsierend schlägt es unter
der gläsernen Haut
und singt das Lied der sterbenden Toten. 
 


Manchmal wäre ich gerne ein anderer.
Genau genommen ist "manchmal" ein häufig vorkommender Zustand und ich mag mich nicht.
Obwohl ich mich eigentlich gerne mögen würde, wirklich, aber gleichzeitig eben auch nicht.

Da ist diese Faszination, dieser Schleier, die Mystik, fast wie Nebel, die mich einlullt und umgarnt. Schmerz ist anziehend anstatt abstoßend und ich fühle mich nur vollkommen, wenn jede Zelle meines Körpers schreit und die Schuld siegt.
Alternative? Selbsthass.

"Die Ästhetik des Hässlichen", so die Expressionisten und ich verstehe, begreife, weiß.
Es ist ekelerregend, bizarr, unmenschlich und doch...

aber vielleicht sind wir am Ende doch nur kaputt.
Jeder.


von JerryCai auf deviantart

Freitag, 26. September 2014

× 003

von thomaswievegg auf deviantart


She looked like a woman
But her heart screamed 'girl'
And when they started to see her
She didn't know where to turn.

She tried to escape them
But did not succeed
And when they set her on fire
She was left more than burned.




Manchmal fühle ich mich, als hätte ich etwas verpasst.
Als hätte es auf einmal links und rechts von mir 'puff' gemacht und alle meine Freunde seien plötzlich erwachsen geworden. Haben die sozialen Fähigkeiten erlangt, mit anderen Menschen Verbindungen einzugehen, die über auf anderen Bahnen verlaufen als bloße Freundschaften.

Abgesehen von mir.

Tagträume, gefüllt mit Schwärmereien - ja, diese Stufe der Entwicklung habe ich noch mitbekommen, doch weiter hat es sich bisher nicht entwickelt.
Zwar füllt mich der Gedanke an eine solche Beziehung mit Freude und Aufregung, doch zugleich ist da dieser harte, kalte Brocken Angst in meiner Magengrube. Anstatt zu schmelzen breitet er sich jedoch aus, lässt meine Glieder steif werden und bemächtigt sich meiner Gedanken.

Ich will wegrennen, kann mich nicht binden, habe so eine Angst, so eine Panik, dass mir die Tränen in die Augen steigen, ich wie gelähmt bin, sobald ich nur daran denke und ich weiß nicht warum.

In einigen Jahren werde ich sicher mit Belustigung auf deise Zeit zurückblicken und mir denken, wie naiv ich doch war. Wie jung ich war und wie lächerlich meine Sorgen.
            Das Privileg der Retrospektive.

Doch was ist mit dem Jetzt?


z e r i s s e n  ×  g e f a n g e n  ×  e n t z w e i t

Sonntag, 21. September 2014

× 002

Aus den Tiefen des Sees stieg ein Vogel auf.
Er schien von innen heraus zu glühen, doch so warm das Licht auch schien, die Tropfen auf seinem Federkleid erstarrten zu Eis, sobald er das Wasser verlassen hatte.
Mit zaghaften Flügelschlägen schraubte er sich in den Himmel hinauf, immer höher, immer weiter; das helle Leuchten kämpfend gegen den dunkelgrauen Gewitterschein.



von bittergreen auf deviantart


Ich bin ehrlich: ich weiß nicht genau, wie ich die Gefühle in meinem Inneren in Worte fassen soll.
Weiß nicht, wie ich sie der Welt dort draußen verständlich machen soll, wo ich sie selbst doch nicht einmal im Ansatz begreife.

Einer Halbbrüder, zu denen der Kontakt bereits vor einigen Jahren aus verschiedenen Gründen irgendwie abgebrochen ist, war heute da und wir (das heißt: meine Schwester, er und ich) haben uns Fotos von damals angesehen, als unser Vater noch lebte.

Der Schalter in meiner Brust ist umgelegt, so fühlt es sich zumindest an. Ich habe nie wirklich getrauert - wie auch mit sechs Jahren? , denn ich wusste nicht um wen und wofür; ich verstand nicht.
Nun verstehe ich nicht mehr und bin auch nicht klüger geworden, doch genau darum fühle ich diese Leere in mir.

War sie vorher schon da? Habe ich sie nun lediglich bemerkt?
Ich weiß es nicht, aber sie ist da und das macht mir Angst.
Und es beruhigt mich.

Bin scheinbar wohl doch keine Maschine.
Sondern Herz und Blut und Mensch.

Leben.

Samstag, 20. September 2014

× 001

von nairafee auf deviantart


there are these certain thoughts
feasting off the nightly
shades within my head.

×   ×   ×

what is born of the dark
stays there and leaves with dawn
only to return at dusk.



Das zweite Gesicht wird von den Schatten verhüllt, die in der Nacht kommen und vor der beginnenden Morgenröte fliehen.
Ich glaube fast, ein jeder von uns besitzt diese eine Facette, diesen einen Aspekt des eigenen Seins, der nur durch die Dunkelheit hervorgelockt wird und im Tageslicht in Normalität vergeht.
Genau dieses Phänomen beobachte ich an mir wenigstens ein ums andere Mal und spüre jetzt gerade, in diesem Moment, das Bedürfnis, ein Ventil zu kreieren für die Worte, die in mir schlummern und an ihre Käfigstäbe rütteln. Die mir mit gefletschten Zähnen und zugleich wie zahme Kätzchen schnurren.

Und so beginnt ein weiterer Versuch, meine Kopfkonstrukte in Buchstaben zu verkleiden und in den Fängen des weltweiten Netzes freizulassen.

Also lehnt euch zurück und genießt die Freakshow.